Klimaneutrale Schloss- und Parkanlage der Stiftung Schloss Dyck

Schloss- und Parkanlage der Stiftung Schloss Dyck

Projektziele 

Schloss Dyck und sein Park sind stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Mit dem Projekt „Klimaneutrale Schloss- und Parkanlage” möchte die Stiftung Schloss Dyck einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung leisten.

Das Projekt ist Teil des Förderprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und wird mit drei Millionen Euro unterstützt.

Das Projekt hat Modellcharakter für die bundesweit vom Klimawandel stark betroffenen historischen Parks und Gärten. Für die Stiftung Schloss Dyck soll das Projektdazu beitragen, die national bedeutsame Schloss- und Parkanlage in Schloss Dyck langfristig ökologisch, wirtschaftlich und denkmalgerecht zu sichern – und den Betrieb der gesamten Anlage bis zum Beginn der 2030er Jahre vollständig klimaneutral zu gestalten.

Klimaanpassungsmaßnahmen im Englischen Landschaftspark

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Anpassung des Englischen Landschaftsparks an den Klimawandel. Hintergrund sind die anhaltende Bodentrockenheit durch die tagebaubedingte Grundwasserabsenkung sowie die Trockensommer der Jahre 2018 bis 2022.

Dazu wird derzeit ein neues Parkpflegewerk erstellt, das ein innovatives und denkmalgerechtes Konzept zur Klimaanpassung der historischen Anlage vorsieht. Das im Rahmen des Projekts entwickelte Konzept bildet den Rahmen für intensivere und neue Baumpflegemaßnahmen. 

Durch gezielte Rückschnitte sollen die Verdunstung verringert und das Risiko von Windbruch reduziert werden. Damit geht auch die Stärkung der Baumvitalität einher. Letzteres soll durch den Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen unterstützt werden. Sowohl beim Altbaumbestand als auch bei Neupflanzungen wird eine Mykorrhiza-Beimpfung durchgeführt. Diese erhöht die Effizienz der Wasser- und Nährstoffaufnahme und hilft beim Schutz vor bodenbürtigen Schaderregern. 

In den letzten Jahren sind rund 400 Bäume verloren gegangen, zudem sind circa 40 Prozent des verbleibenden Baumbestandes stark gefährdet. Um den wertvollen Baumbestand nicht weiter zu reduzieren und gleichzeitig die Biodiversität im Schlosspark zu fördern, werden umfangreiche Nachpflanzungen vorgenommen. Je nach Situation werden für jeden ausgefallenen Baum differenzierte Nachpflanzungskonzepte mit zum Teil mehreren Lösungsansätzen und manchmal auch mit neuen klimaangepassten Baumarten entwickelt und umgesetzt. Grundlage ist dabei die historisch gewachsene, große Artenvielfalt des Baumbestands im Park von Schloss Dyck. Diese geht auf das vor rund 200 Jahren entwickelte Konzept des Pflanzensammlers Fürst Joseph zurück und schafft heute eine einmalige Voraussetzung für eine breit aufgestellte Anpassung an den Klimawandel.

Die Unterpflanzung von Baumstandorten sowie die Anreicherung von Parkwiesen und Waldflächen mit Wildkräutern und Wildblumen erhöht die Biodiversität zusätzlich und beugt gleichzeitig dem Schädlingsbefall vor. Ergänzend dazu wurde eine umfangreiche faunistische Erfassung im Park durchgeführt. Die Schaffung dieser wichtigen, zukunftsgerichteten Grundlage ist ein bedeutender Schritt für den Artenschutz und die Förderung der Biodiversität in der Parkanlage.

Die zunehmende Bodentrockenheit, verursacht durch weniger Niederschlag und die tagebaubedingte Grundwasserabsenkung, macht den Bau eines großflächigen Bewässerungssystems im Park erforderlich. Im Rahmen des Projekts entsteht daher eine innovative, teilautomatisierte Bewässerungsanlage, die den wertvollen Baumbestand erhalten soll und durch eine intelligente Steuerung sparsam mit der Ressource Wasser umgeht.

Umstellung auf regenerative Energien im Betrieb der Schlossanlage

Auch energetisch geht die Stiftung Schloss Dyck neue Wege. Zukünftig sollen die rund 20.000 Quadratmeter Nutzfläche der Schlossanlage zu 100 Prozent regenerativ beheizt werden. Eine neue, innovative Heizungsanlage nutzt den auf dem Dycker Feld jährlich nachwachsenden Rohstoff Miscanthus (Chinaschilf), der dort selbst angebaut wird. Die robuste C4-Pflanze kommt ohne Dünger, Pflanzenschutz oder Bewässerung aus und bindet während ihres Wachstums große Mengen CO₂. Bei der Verbrennung wird nur so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie die Pflanze innerhalb eines Jahres aufgenommen hat.

Am Obstparkplatz entsteht eine große Halle mit einer neuen Heizzentrale und einem Lager für die Miscanthus-Ernte. Ergänzend werden die notwendigen Nahwärmeleitungen verlegt, um alle Gebäude der Schlossanlage zu erschließen. So ist die Stiftung in der Lage, zukünftig rund eine Million Kilowattstunden Erdgas einzusparen. 

Abgerundet wird das energetische Konzept durch Photovoltaikanlagen im Eingangsbereich des Parks. Diese werden einen Teil des Stroms erzeugen und E-Ladestationen für PKW und E-Bikes versorgen.

Vermittlung der Idee Klimaneutrale Schloss- und Parkanlage

Die Projektmaßnahmen werden durch eine wissenschaftliche Begleitung und einen Erfahrungsaustausch ergänzt. Das Modellprojekt soll einen breit angelegten europäischen Erfahrungsaustausch ermöglichen. Das „Initiativbündnis Historische Gärten im Klimawandel“ und das von der Stiftung geleitete „Europäische Gartennetzwerk EGHN“ bieten dafür die ideale Voraussetzung. 

Um sowohl das Projekt als auch die Wichtigkeit der Themen Klimaanpassung und Klimaschutz in der Fach- und Zivilgesellschaft zu vermitteln, wurde im Rahmen des „Europäischen Gartenpreises“ in den letzten Jahren ein Sonderpreis für herausragende Beispiele im Umgang mit dem Klimawandel in Parks, Gärten und urbanen Räumen vergeben. 

Darüber hinaus finden 2026 in Schloss Dyck faunistische Führungen statt. Darin präsentiert die Stiftung die Ergebnisse der umfangreichen faunistischen Kartierungen, die im Rahmen des Projekts zu den verschiedenen Tiervorkommen im Park und an den Gebäuden durchgeführt wurden. Die Besucher sollen für Klimaschutz und Klimaanpassung sensibilisiert und für diese Themen sowie ihre Bedeutung für Parkanlagen begeistert werden. 

Das Projekt „Klimaneutrale Schloss- und Parkanlage“ wurde von der Region Köln/Bonn als Modellprojekt im Strukturwandel (Agglomerationsprogramm) ausgewählt. Darüber hinaus fand das Vorhaben auch internationale Anerkennung: Es wurde als eines von lediglich drei Projekten in Deutschland von der EU in der Veröffentlichung zum Green Deal „Strengthening Cultural Heritage Resilience for Climate Change“ als europaweit bedeutendes Best-Practice-Beispiel aufgenommen.

 

Kontakt:

Stiftung Schloss Dyck
Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur
Schloss Dyck, 41363 Jüchen
Telefon 02182 - 824 0, Telefax 02182 - 824 110
E-Mail: info@stiftung-schloss-dyck.de
www.stiftung-schloss-dyck.de